Fachtagung Zirkuläres Bauen
Zirkuläres Bauen in Sachsen: Gemeinsam vom Anspruch zur Umsetzung
Wie kann die Bauwende in Sachsen gelingen? Welche Hemmnisse stehen einer ressourcenschonenden, zirkulären und zugleich wirtschaftlich tragfähigen Baupraxis im Weg – und welche Hebel können genutzt werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 24. Juni 2026 mehr als 60 Teilnehmende im Viktor-Klemperer-Saal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden.
Die simul+Veranstaltung brachte Akteurinnen und Akteure aus Planung, Bauwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zusammen. Ziel war es, Erfahrungen auszutauschen, konkrete Lösungsansätze vorzustellen und gemeinsam nächste Schritte für eine Bauwende in Sachsen zu diskutieren.
Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Nach der Begrüßung und Einführung durch die Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, Bau- und Wohnungswesen im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, Annette Rothenberger-Temme, gab Prof. Edeltraud Günther, Direktorin des United Nations University Instituts UNU-FLORES Dresden, mit einem Impulsvortrag wichtige Denkanstöße für die anschließende Diskussion.
Im Mittelpunkt des Vormittags stand die Paneldiskussion »Hemmnisse und Hebel für die Bauwende in Sachsen«. Auf dem Podium saßen Tom Macht und Katharina Wittke von Bauwende Sachsen, Dr. Raik Hartmann von OTTO QUAST GmbH & Co. KG Fertigbau Sachsen, Prof. Christina Dornack von der TU Dresden, Juri Kuther von Libero Architekten sowie Dr. Christoph Möllers von der Holzbaukompetenzzentrum Sachsen GmbH. Sie diskutierten über Herausforderungen und mögliche Wege hin zu einer kreislauffähigen Baupraxis. Moderiert wurde die Runde von Alexander Rudolphi von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Dabei wurde deutlich: Zirkuläres Bauen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Technische Innovationen allein reichen nicht aus. Ebenso wichtig sind geeignete Rahmenbedingungen, neue Formen der Zusammenarbeit, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Verfahren.
Innovative Ansätze aus der Praxis
Nach der Mittagspause standen konkrete Beispiele im Mittelpunkt. In zwei Praxis-Inputs wurden innovative Lösungsansätze vorgestellt. Pfennigbau Oschatz gab Einblicke in das Bauen für die öffentliche Hand mit Lehm und Stroh. Anschließend wurde am Modellprojekt »Leika« gezeigt, wie bezahlbarer Wohnraum in Holz-Skelett-Bauweise genossenschaftlich realisiert werden kann.
Die Praxisbeispiele machten anschaulich, dass nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen längst keine rein theoretische Zielsetzung mehr ist. Vielmehr existieren bereits unterschiedliche Ansätze, die zeigen, wie regionale Materialien, kreislauffähige Konstruktionen und neue Bauweisen miteinander verbunden werden können.
World Café: Gemeinsam an konkreten Fragen arbeiten
Am Nachmittag wechselten die Teilnehmenden vom Zuhören ins gemeinsame Arbeiten. In einem World Café diskutierten sie in wechselnden Kleingruppen zentrale Fragestellungen der Bauwende. Fünf Thementische widmeten sich dabei unterschiedlichen Handlungsfeldern:
- Kommunale Steuerung & Ausschreibungen
- Abbruch, Transport, Wiedereinbau
- Zirkulärer Wohnungsbau
- Regulatorien, Technik und Nachweise
- Bildung, Qualifikation und Handwerk
In mehreren Gesprächsrunden wurden Erfahrungen ausgetauscht, Hemmnisse benannt und mögliche Lösungsansätze entwickelt.
Vom Austausch zu möglichen Kooperationen
Anschließend wurden die zentralen Erkenntnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Dabei ging es nicht nur um die Frage, wo aktuell die größten Hindernisse liegen, sondern insbesondere darum, welche Maßnahmen angestoßen und welche Kooperationen aufgebaut werden können.
Die Diskussion zeigte, dass viele Herausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden können. Kommunen, Planende, Bauunternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Handwerk sind gleichermaßen gefragt, ihre Erfahrungen einzubringen und neue Wege zu erproben.
Zum Abschluss gab Frau Rothenberger-Temme einen Ausblick auf mögliche nächste Schritte, darunter auch eine Folgeveranstaltung. Damit soll der Austausch über die Veranstaltung hinaus fortgesetzt und die Entwicklung konkreter Maßnahmen weiter vorangetrieben werden.
Mehr als 60 Teilnehmende, vielfältige Perspektiven und zahlreiche konkrete Diskussionsansätze machten die Veranstaltung zu einem wichtigen Austausch für die Bauwende in Sachsen. Im Nachhinein erreichte das SMIL viel positives Feedback und weitere Angebote zum Austausch.
Das Referat 53 des SMIL steht allen Interessierten zum Thema Zirkularität im Bauwesen gern zum Austausch zur Verfügung: bautechnik-bauordnungsrecht-bolzbau@smil.sachsen.de