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Hunger ist in Deutschland ein Fremdwort. Das klingt zunächst gut, hat aber auch seine Schattenseiten. Und zwar elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die jährlich in den Müll wandern. Den Hauptanteil an dieser Verschwendung haben die Haushalte. Aber auch in der Gastronomie, im Handel und bei den Herstellern gibt es Reserven.

Muss das, was übrig bleibt, immer in den Müll? Gibt es eine sinnvolle Verwendung? Wie wird der Rest zum Rohstoff? Um diese Fragen zu besprechen, lud am 26. April 2017 die Friweika eG gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) nach Weidensdorf ein. Im Rahmen der simul+Werkstatt »Ernährungswirtschaft vor Ort« diskutierten dort Experten und mehr als 50 Teilnehmer über die »Intelligente Verwertung von Nebenprodukten in der Lebensmittelherstellung«.

Die Eröffnung der simul+Werkstatt durch Frau Liebschner, Prokuristin der WFS

Die Eröffnung der simul+Werkstatt durch Frau Liebschner (WFS)

Einen ersten Überblick zum Stand der Wissenschaft bot Prof. Harald Rohm (Institut für Naturstofftechnik, TU Dresden). Er gab insbesondere zu bedenken, dass gerade in Nebenprodukten oftmals sehr hochwertige Inhaltsstoffe enthalten sind.

Anschließend stellte Marko Wunderlich als Gastgeber die erfolgreiche Entwicklung der Friweika eG vor. Er informierte, dass die Friweika eG bereits sehr erfolgreich anfallende Kartoffelnebenprodukte in einer eigenen Biogasanlage verwertet. Einerseits schont dies die Umwelt, andererseits reduziert die selbst erzeugte Energie auch die Betriebskosten und stellt damit einen wesentlichen Einsparfaktor dar.

Großes Interesse am Vortrag über die Friweika eG durch den Gastgeber Herrn Wunderlich, Mitglied des Vorstands

Großes Interesse am Vortrag über die Friweika eG durch den Gastgeber Herrn Wunderlich, Mitglied des Vorstands

Unter der Leitung von Romann Glowacki (Deutsches Biomasse-forschungszentrum, Leipzig) hatten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe »Pflanzliche Nebenprodukte« Gelegenheit, über Möglichkeiten der Verwertung von Apfel- und Beerentrester zu diskutieren. Dass diese Trester auch für die Verarbeitung in hochwertigen Backwaren geeignet sind, wurde erst kürzlich in einem FuE-Projekt der TU Dresden bewiesen.

Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe »Tierische Nebenprodukte«  erörterten unter Leitung von Dr. Jürgen Schöber (fermtec GmbH, Berlin) die Besonderheiten des Bereiches und konnten sich von Dr. Frank Weile (Sachsenmilch Leppersdorf GmbH) Anregungen für eigene Verwertungsprojekte holen.

Dass hierbei eine Zusammenarbeit von Herstellern ähnlicher Produkte auch gegen natürliches Konkurrenzdenken sinnvoll ist, um mengenmäßige Skaleneffekte ausschöpfen zu können, zeigte die anschließende Diskussion. Allein können nur die wenigsten Hersteller Entwicklungsprojekte finanzieren und die damit verbundenen Risiken tragen - sei es im Bereich Wurst- und Fleischwaren oder bei den fischverarbeitenden Teichwirtschaften, für die Marco Jung vom Sächsischen Landesfischereiverband e.V. Ausschau nach Projektpartnern für die ganzheitliche Verwertung des Oberlausitzer Bio-Karpfens hielt.

Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe »Tierische Nebenprodukte« während der Diskussion

Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe »Tierische Nebenprodukte« während der Diskussion

Nach dem informativen Firmenrundgang wurden die Arbeitsergebnisse und Projektideen noch einmal gebündelt und zur Diskussion gestellt. Für die Unterstützung bei der Projektentwicklung steht die WFS den beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung.

Das erfolgreiche Format „Ernährungswirtschaft vor Ort“ möchte Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit Bezug zur Lebensmittelherstellung miteinander vernetzen und wird seit 2012 von der WFS im Auftrag des SMUL durchgeführt, seit 2016 eingebettet in die simul+Zunkunftsinitiative. Im Herbst 2017 ist eine weitere simul+Werkstatt geplant.

 

Fotos: WFS

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