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04.11.2016 fand die simul+Werkstatt Landtechnik in Nossen

Mit der Reihe „simul+Werkstatt“ als Kommunikationsplattform wurde am 04.11.2016 in Nossen der gemeinsame Dialog von Landwirten, Forschungseinrichtungen, Entwicklern, Dienstleistern, Maschinenbauern und Verarbeitern landwirtschaftlicher Produkte fortgesetzt, um die zukünftigen Herausforderungen einer umwelt- und ressourcenschonenden Landwirtschaft zu meistern.

Unter dem Dachthema der Veranstaltung „Qualitätsweizen zwischen Stickstoffdüngung und Lebensmittelprodukten“ wurde die umfangreiche Problemkonstellation um den Stickstoff am Beispiel des Weizens schlaglichtartig umrissen, die zunehmend Raum in der politischen Diskussion einnimmt: Die landwirtschaftliche Produktion im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Lebensgrundlagen und den Anforderungen der Ernährungswirtschaft an ihre Ausgangsstoffe.

 

Staatminister Thomas Schmidt begrüßt die Teilnehmer der simul+Werkstatt Landtechnik

Staatminister Thomas Schmidt begrüßt die Teilnehmer der simul+Werkstatt Landtechnik

Die EU-Kommission hat Ende Oktober die im April angekündigte Klageschrift gegen die Bundesrepublik eingereicht. Zu hohe Nitratkonzentrationen in Oberflächengewässern und Grundwasserkörpern erhöhen den Handlungsdruck auf die Politik und die Akteure ebenso, wie die Verpflichtung zur Reduzierung der Ammoniakemissionen. Auf Bundesebene wird einiges getan, um die Stickstoffausträge gerade auch aus der Landwirtschaft weiter zu mindern. Alleine mit der Verschärfung von Vorschriften wird sich diese Problemlage jedoch nicht ausreichend entspannen lassen. Zu vielfältig, zu dynamisch und räumlich zu heterogen sind die Zusammenhänge und Wirkmechanismen.

Konstanze Fritzsch (Dresdener Mühle) referiert zum Thema »Weizenanbau im Spannungsfeld von Düngeverordnung und Qualitätsanforderungen«

Konstanze Fritzsch (Dresdener Mühle) referiert zum Thema »Weizenanbau im Spannungsfeld von Düngeverordnung und Qualitätsanforderungen«

Daher setzt Sachsen vorrangig auf einen kooperativen Weg, um einen noch effizienteren und damit verlustärmeren Stickstoffeinsatz zu erreichen und Stickstoffausträge in die Umwelt zu minimieren. Neben einem umfangreichen Förderangebot (investive und flächenbezogene Maßnahmen, Wissenstransfer, Europäische Innovationspartnerschaft) stehen hier die vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) für Landwirte eingerichteten zehn Arbeitskreise in Gebieten mit besonderem Handlungsbedarf zur Stoffeintragsminderung im Vordergrund. Hier werden wirksame, praktikable und innovative Verfahren zur Minderung von Stoffeinträgen demonstriert, von den Landwirten ausprobiert, ggf. an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst und dann dauerhaft angewendet.  Viele Probleme aus anderen Bundesländern (z. B. ein regional zu hoher Viehbesatz) spielen bei sachsenweiter Betrachtung keine oder nur eine geringe Rolle. Aber auch in Sachsen sind gebietsweise zu hohe Nitratwerte im Grundwasser festzustellen. Hier kommt vor allem der Anpassung an zunehmende Trockenphasen – Stichwort Klimawandel - mit schlechter Ausnutzung des gedüngten Stickstoffs eine zunehmende Bedeutung zu. Bisher durchgeführte Agrarumweltmaßnahmen einschließlich investiver Maßnahmen (z. B. Zwischenfruchtanbau, Ökolandbau, Erhöhung der Gülle-Lagerkapazität, emissionsarme Ausbringtechnik) haben bereits erheblich zur N-Austragsminderung beigetragen. Naturgemäß spiegelt sich dies noch nicht im Grundwasser wider – diese Prozesse dauern Jahrzehnte. Ziel der aktuellen Maßnahmen ist eine nachhaltige Verbesserung der Grundwasserbeschaffenheit und Trinkwasserversorgung.

Blick ins Publikum

Blick ins Publikum

In unser aller Interesse muss dabei verstärkt in das öffentliche Bewusstsein rücken: Der mitunter erhebliche Stickstoffeinsatz in der Landwirtschaft - nicht nur bei Weizen - resultiert aus dem Zwang für die Betriebe, im harten Wettbewerb zu bestehen. Um sowohl der Umwelt (Lebensgrundlage), als auch den Landwirten (Ernährung) zu helfen, müssen wir geeignete Akteure animieren und unterstützen, neue Lösungswege aufzuzeigen und modellhaft zu beschreiten. Es geht um die heimische Landwirtschaft und es geht um unsere Umwelt. Dabei müssen wir uns vor Augen führen: In keinem anderen Wirtschaftszweig gehen die natürlichen Lebensgrundlagen derart intensiv in den Produktionsprozess mit ein und wieder daraus hervor, wie in der Landwirtschaft.

Die Konsumenten haben bestimmte Erwartungen an die Endprodukte hinsichtlich Preis, Qualität, Eigenschaften etc. Die Ernährungswirtschaft muss sich an den Wünschen ihrer Kunden orientieren. Und so entwickeln sich Anforderungen, Qualitätsparameter etc. vom Ende der Wertschöpfungskette - von der Ladentheke - über die gesamte Produktionslinie bis zu deren Beginn - zum Acker, wo den Landwirten dann nur noch geringe Spielräume und Alternativen bleiben. Landwirte müssen nachhaltig produzieren und auch die Ernährungswirtschaft muss hochwertige, den Verbraucherwünschen entsprechende Produkte herstellen können.

Roland Ermer, Bäckermeister aus Bernsdorf, stellt sich dem Thema »Backen die Bäcker jetzt kleinere Brötchen?«

Roland Ermer, Bäckermeister aus Bernsdorf, stellt sich dem Thema »Backen die Bäcker jetzt kleinere Brötchen?«

Neben innovativen Verfahren zur Verbesserung der Stickstoffaufnahme sind auch regionale Wertschöpfungspfade mit entsprechenden Sorten-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien von Interesse, die auf proteinärmere Weizenmehle setzen. Die Weltmarktorientierung bei Weizen am Proteingehalt werden wir natürlich von Sachsen aus nicht ändern. Aber wir sollten verschiedenste praxistaugliche regionale Problemlösungsansätze erarbeiten. Alle Betroffenen bis hin zum Konsumenten müssen sensibilisiert und sich der Folgen ihres Handelns bewusster werden.

Im ersten Themenblock wurden Ansätze diskutiert, die den Stickstoffaustrag aus der Landwirtschaft reduzieren helfen. Der zweite Themenblock sollte Initiativen im Bereich der Verarbeitung bzw. der Ernährungswirtschaft (z. B. in den Bäckereien) anregen, auch Getreide mit einem geringeren Proteingehalt zu verarbeiten. Die Rechnung kann dabei niemand ohne den Markt machen -  den auch von der EU gewollten freien Markt, der beispielsweise im Hafen Rostock greift bzw. den der Einkaufskorb der sächsischen Konsumenten abbildet.

Fotos: SMUL

Austausch mit dem Publikum

Austausch mit dem Publikum

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